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Pubertät bei Rindern

Plötzlich funktionieren die normalsten Sachen nicht mehr. Grenzen werden getestet, Diskussionen entstehen aus dem Nichts und man fragt sich kurz, was eigentlich passiert ist.

Auch Rinder kommen in die Pubertät. Meist zwischen acht Monaten und eineinhalb Jahren.

Ich kann euch beruhigen: Diese Phase geht wieder vorbei.


In dieser Zeit reduziere ich meine Arbeit mit den Tieren nach Möglichkeit auf das Nötigste. Tägliche Aufgaben ja. Alles, was zusätzliche Reibung erzeugt, eher nein. Nicht jeder Konflikt muss ausgetragen werden. Oft ist es klüger, Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen. Ich schaffe mir lieber Momente, die ich mit einem guten Gefühl für beide Seiten beenden kann.

Geht man in den Kampf, verliert man irgendwann meistens. Die Tiere haben schlicht mehr Masse als wir.


Natürlich gibt es Grenzen, mein persönlicher Raum ist mir heilig. Der wird gewahrt, auch in der Pubertät. Sicherheit steht nicht zur Diskussion. Aber meine Tiere müssen in solchen Phasen keine stundenlangen Spaziergänge absolvieren oder ständig Neues lernen, bei dem ich viel korrigieren müsste. Das birgt nur die Gefahr, dass unnötige Konflikte entstehen. Ich arbeite dann gern frei mit ihnen. So haben sie mehr Selbstbestimmung und ich erlebe oft, wie ihre Motivation von selbst zurückkommt.


Wichtig ist, ein Gespür für die eigene Tagesform und für die des Tieres zu entwickeln. Bevor ich etwas plane, prüfe ich zuerst meine eigene Energie. Wie viel Geduld habe ich heute? Habe ich Energie für allfällige Diskussionen und kann ich sie fair führen? Wenn ich nicht gut drauf bin, brauche ich keine grossen Vorhaben zu schmieden.

Bei den Tieren versuche ich die best möglichen Bedingungen zu schaffen. Ich achte darauf, dass sie genügend Bewegung hatten und nicht hungrig sind. Spüre ich, dass sowohl das Tier als auch ich einen guten Tag haben, entscheide ich meist spontan, was wir machen. Flexibilität ist hier wichtiger als ein perfekter Trainingsplan. Allgemein lohnt es sich, Pläne immer wieder an die Situation anzupassen. So lassen sich unnötige Konflikte vermeiden.


Die Pubertät kann eine Einladung sein, die Beziehung bewusster zu gestalten und sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen. Denn in jedem Alter wird die gemeinsame Zeit schöner, wenn ich meine eigene Tagesform kenne und weiss, was an diesem Tag möglich ist.

Schaffe ich gute Rahmenbedingungen, hat das Tier die Chance, schnell ein positives Erlebnis zu haben. Und genau darum geht es mir. Ich versuche, die Beziehung immer vor Trainingsziele zu stellen.

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