Halfter anlegen – Schritt für Schritt
Das Anlegen eines Halfters braucht vor allem eines: Vertrauen. Der Kopf ist für das Kalb ein sehr sensibler Bereich und deshalb möchte ich hier besonders vorsichtig und in kleinen Schritten vorgehen. Das Halfter soll nicht einfach über den Kopf gezogen werden, sondern das Kalb soll lernen, dass es nichts Unangenehmes bedeutet.
Gerade am Anfang ist Vorsicht wichtig. Das Halfter darf nicht versehentlich am Flotzmaul oder in den Augen hängen bleiben. Deshalb nehme ich mir die Zeit, die es braucht, und gehe lieber einen Schritt zurück, wenn das Kalb unsicher wird.
Für Kälber verwende ich Fohlenhalfter, die sich sowohl an der Nase als auch am Genick verstellen lassen. Die Schnalle des Genickriemens öffne ich zum An- und Ausziehen, damit sich das Halfter nicht mit der Ohrmarke verfangen kann.
Erstes Kennenlernen des Halfters
Zuerst zeige ich dem Kalb einfach das Halfter. Es darf daran schnuppern, es ablecken und es in Ruhe anschauen. Ich halte es dabei so, dass das Kalb selbst entscheiden kann, wie nah es kommen möchte.
Wenn das Kalb von sich aus die Nase in das Halfter steckt, wird es sofort und ausgiebig gelobt. Danach nehme ich das Halfter direkt wieder weg. So bleibt dieses erste Erlebnis positiv und das Kalb bekommt gar nicht erst das Gefühl, dass jetzt etwas mit ihm gemacht wird.
Schrittweises Nähern und Kooperationssignal etablieren
Als Nächstes halte ich das Halfter immer wieder vorsichtig vor die Nase des Kalbs. Mein Ziel ist, dass es seine Nase irgendwann ganz selbstverständlich selbst durch das Halfter steckt.
Für mich ist das ein wichtiges Kooperationssignal. Das Kalb lernt dabei, dass es selbst etwas zum Ablauf beitragen kann und dass ich nicht einfach über seinen Kopf hinweg etwas mache. Dadurch kann Vertrauen entstehen und das Kalb kann mir zeigen, wann es bereit für den nächsten Schritt ist.
Als Belohnung kraule ich die Kälber gerne in den Ohren. Das mögen die meisten sehr gerne und es lässt sich schön mit der gewünschten Kooperation verbinden.
Vorsichtiges Überlegen des Nackenstücks
Wenn das Kalb zuverlässig mit der Nase in das Halfter geht, kann ich einen Schritt weitergehen. Ich hebe das Nackenstück am Auge vorbei in Richtung Nacken. Das kann zunächst zu etwas Verunsicherung führen, weil der Riemen plötzlich im Sichtfeld des Kalbs auftaucht.
Sobald das ruhig toleriert wird, kann ich das Nackenstück vorsichtig auf den Nackenbereich legen. Auch hier verschliesse ich das Halfter zunächst noch nicht.
Bleibt das Kalb ruhig und akzeptiert die Bewegung, nehme ich das Halfter wieder ab und lobe es. Das wiederhole ich einige Male. So lernt das Kalb nach und nach, dass es nichts Unangenehmes ist, wenn der Riemen über den Kopf geführt wird.
Halfter das erste Mal vollständig anlegen
Wenn das Kalb auch bei den vorherigen Schritten gelassen bleibt, kann ich das Halfter zum ersten Mal vollständig anlegen und schliessen.
Viele Kälber reagieren in diesem Moment erst einmal etwas irritiert. Das ist nicht ungewöhnlich. Ich gebe ihnen deshalb Zeit, sich an das neue Gefühl am Kopf zu gewöhnen und mache nicht gleich weiter mit dem nächsten Schritt.
Je nach Kalb kann es sinnvoll sein, das Halfter anzulegen und es dann eine Weile in Ruhe zu lassen. So kann es sich bewegen und selbst feststellen, dass das Halfter keine Gefahr darstellt.
Halfter wieder ausziehen
Auch das Abhalftern übe ich bewusst und in kleinen Schritten. Das Kalb soll lernen, ruhig stehen zu bleiben, während ich die Schnalle löse und das Halfter ausziehe.
Ich berühre zuerst die Schnalle und warte, bis das Kalb ruhig ist. Dann lasse ich wieder los und lobe es. Sobald ich die Schnalle in Ruhe anfassen kann, öffne ich sie.
Auch danach warte ich wieder, bis das Kalb ruhig ist. Erst dann öffne ich den Riemen und lasse das Halfter langsam über die Nase gleiten.
Das übe ich deshalb so, weil mir wichtig ist, dass ich das Halfter später auch sicher abnehmen kann, wenn das Kalb vielleicht einmal drängeln oder seinen Kopf wegziehen möchte.
Wie lange dauert das Ganze?
Wie schnell ein Kalb diesen Ablauf lernt, ist sehr unterschiedlich. Bei einem Kalb kann das ganze Training vielleicht in zehn Minuten möglich sein. Ein anderes braucht mehrere Tage mit kurzen Einheiten.
Für mich ist deshalb nicht entscheidend, wie schnell das Halfter drauf ist. Viel wichtiger ist, dass das Kalb dabei ruhig bleibt und Vertrauen aufbaut.
Je kleinschrittiger ich vorgehe und je besser ich auf das einzelne Kalb eingehe, desto eher wird das Halfter zu etwas ganz Normalem. Und genau das ist das Ziel: Das Kalb soll sich später stressfrei halftern lassen und gelernt haben, dass es sich lohnt, mit mir zu kooperieren.
Ich halte meinen Kühen immer noch das Halfter hin. Und wenn wir nicht etwas Zwingendes machen müssen, dürfen sie auch mal Nein sagen. Meist steckt die Nase aber sehr schnell im Halfter, da meine Kühe gerne mitarbeiten. :)


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