Sind Kühe auf Wanderwegen wirklich so gefährlich?
- Sibylle Zwygart
- 14. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Immer wieder hört man von Kuhangriffen auf Alp- und Weideflächen. Sind Kühe denn wirklich so gefährlich?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Es macht einen grossen Unterschied, welche Tiere sich auf der Weide befinden. Sind es neugierige Jungtiere, Milchkühe, Mutterkühe oder sogar ein Stier?
Jungtiere sind oft verspielt und übermütig. Sie hüpfen herum, rennen aufeinander zu und möchten manchmal auch Wanderer oder Hunde genauer begutachten. Für Menschen kann dieses Verhalten einschüchternd wirken. In ihrer Körpersprache sind jedoch meist keine Drohgebärden zu erkennen.
Milchkühe sind den täglichen Kontakt mit Menschen gewohnt und lassen sich häufig nur schwer aus der Ruhe bringen. Dennoch sind auch sie grosse und kräftige Tiere, deren Verhalten respektiert werden sollte.
Besondere Vorsicht ist bei Mutterkühen geboten. Sie haben etwas zu verteidigen: ihre Kälber. Fühlen sie diese bedroht, können sie sehr entschlossen reagieren. Auch Stiere verdienen besonderen Respekt, da sie ihre Herde schützen und aufgrund ihrer Grösse und Kraft ein erhöhtes Risiko darstellen.
Es kann deshalb nicht allgemein gesagt werden, dass Kühe auf Weiden ungefährlich sind. Genauso wenig sind Kühe grundsätzlich aggressiv. Entscheidend ist die jeweilige Situation.
Wichtig zu wissen ist auch, dass Kühe in den meisten Fällen deutliche Warnsignale senden, bevor sie angreifen. Sie stellen das Fressen oder Wiederkauen ein und richten ihre volle Aufmerksamkeit auf ihr Gegenüber. Häufig fixieren sie die Person mit dem Blick, zeigen eine hohe Körperspannung, schnauben laut aus oder schütteln den Kopf. Manche Kühe nicken auch wiederholt mit dem Kopf in Richtung der vermeintlichen Bedrohung. Oft verändert sich die gesamte Körperhaltung: Die Tiere wirken grösser, aufmerksamer und richten ihren Körper gezielt auf ihr Gegenüber aus. Wer diese Signale erkennt, kann die Situation oft frühzeitig einschätzen und rechtzeitig Abstand schaffen. Genau deshalb lohnt es sich, die Körpersprache von Kühen besser verstehen zu lernen.

Mit dem eigenen Verhalten kann man ebenfalls viel beeinflussen. Das Wichtigste ist, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen: Welche Tiere befinden sich auf der Weide? Wo stehen sie? Gibt es Kälber?
Anschliessend sollte man möglichst ruhig bleiben und mit ausreichend Abstand an den Tieren vorbeigehen. Hunde gehören grundsätzlich an die Leine. Wird die Situation jedoch unkontrollierbar und Kühe greifen an, muss der Hund sofort freigelassen werden. Hunde sind deutlich wendiger als Menschen und können in der Regel selbstständig flüchten. Ein angeleinter Hund hingegen kann Kühe dazu veranlassen, ihren Angriff auf den Menschen zu richten.
Kühe greifen nicht grundlos an. Sie haben meist etwas zu verteidigen, sei es ihre Kälber, ihre Herde oder ihren persönlichen Sicherheitsabstand.
Wer ihre Signale versteht, kann Situationen besser einschätzen und die meisten Begegnungen auf Kuhweiden sicher und entspannt meistern.


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